Sport trägt zu Frieden und Völkerverständigung bei

Talkrunde mit Sr. Dr. Lea Ackermann, Rudi Gutendorf und Walter Desch

Unter dem Motto „Sport für Frieden und Völkerverständigung“ hatte der SPD-Europa-Abgeordnete Norbert Neuser zu einer Talkrunde in die Stadthalle Boppard eingeladen, um mit prominenten Gästen sein neu herausgegebenes Buch "Sport für Entwicklung und Frieden" zu präsentieren.

Zielsetzung des gerade in der Entwicklungszusammenarbeit aktiven Europapolitikers: Das große Potential, dass der Sport im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, bei der Völkerverständigung und auch in der Integration hat, wird leider noch sehr stiefmütterlich behandelt. Norbert Neuser: „Dabei gibt es weltweit überzeugende und nachhaltige Projekte aus dem Sport, die relativ wenig Geld kosten und die unsere Aufmerksamkeit und unsere Unterstützung verdienen."

Mit Sr. Dr. Lea Ackermann als Gründerin der Frauenhilfsorganisation SOLWODI und der Fußball-Trainerlegende Rudi Gutendorf waren zwei herausragende Persönlichkeiten in Boppard dabei, die aus ihren sehr unterschiedlichen Erfahrungen in Afrika sowie in anderen Entwicklungsländern über die Rolle des Sports informieren konnten. Ergänzt wurde die Gesprächsrunde unter der kompetenten Leitung des früheren Lottochefs Hans-Peter Schössler durch den Präsidenten des Fußballverbandes Rheinland, Walter Desch. Für den Fußballverband Rheinland konnte Desch auf das langjährige Engagement in Ruanda hinweisen, dass bundesweit einmalig ist und seit Jahren das ostafrikanische Partnerland von Rheinland-Pfalz in der Trainerausbildung in Ruanda selbst, aber auch bei Lehrgängen in Koblenz unterstützt. Und auch bei der Integration von Flüchtlingen ist der Fußballverband Rheinland mit seiner Trainerausbildung für Flüchtlinge, 12 Flüchtlingsmannschaften sowie durch integrative Maßnahmen von annähernd 150 Fußballvereinen eine treibende Kraft der Integration.

Vielen Zuhörern war die engagierte Arbeit von SOLWODI bei der Unterstützung missbrauchter Frauen bekannt, den wenigsten aber war bewusst, dass SOLWODI in Kenia über 50 Fußballfrauenteams in Projekten betreut, damit die Frauen Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit und verloren gegangene Würde wieder erlangen. Sr. Dr. Lea Ackermann: „Obwohl wir mit Sport am Beginn unserer Arbeit eigentlich nichts am Hut hatten, nutzen wir aber jetzt aus Überzeugung das Potential des Sports, um unsere Ziele gemeinsam mit den Frauen zu erreichen."

Der fast 91-jährige Weltenbummler und erfolgreiche Fußballlehrer Rudi Gutendorf konnte aus seinem reichen Erfahrungsschatz in vielen Beispielen aus afrikanischen Ländern, aus Lateinamerika, den pazifischen Inselstaaten, aus China und und und sehr anschaulich erzählen, was durch Fußball erreicht und ermöglicht werden kann. "Unmittelbar nach dem schrecklichen Genozid in Ruanda, bei dem sich die verfeindeten Volksgruppen der Hutu und Tutsi gegenseitig umgebracht hatten und insgesamt 800.000 Tote zu beklagen waren, kam ich als Nationaltrainer in dieses geschundene Land. Der Aufbau einer aus verfeindeten Volksgruppen bestehenden Nationalelf und auch dann die erzielten Erfolge bei Länderspielen haben sehr mitgeholfen, die Aussöhnung in Ruanda voranzubringen", so Rudi Gutendorf.

Unterstützt wurde die Veranstaltung durch wunderschöne Liedbeiträge von Django Reinhardt, der als Sänger und Musiker ein großes Herz für den Sport hat und sich auch vielfach in sozialen Projekten engagiert.

Norbert Neuser informierte abschließend, dass er gemeinsam mit seinem polnischen Kollegen im Entwicklungsausschuss des Europäischen Parlaments, dem früheren polnischen Handballnationaltrainer und langjährigem Handballprofi, Bogdan Wenta, diese Thematik anlässlich einer parlamentarischen Versammlung von Delegierten der 28 EU-Mitgliedsstaaten und Vertretern der 78 AKP-Staaten (Afrika-Karibik-Pazifik) vorstellen werde.

 

v.l.n.r.: Rudi Gutendorf, Sr. Dr. Lea Ackermann, Django Reinhardt, Walter Desch und Norbert Neuser - Foto: Norbert Breitbach©