Brüssel/Boppard. Deutschland übernimmt am 1. Juli 2020 die Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union. Der rheinland-pfälzische SPD-Europaabgeordnete Norbert Neuser, Vizepräsident des Entwicklungsausschusses, nimmt dies zum Anlass, Initiativen der Bundesregierung gegen Kinderarbeit und für ein faires Lieferkettengesetz zu fordern.

“Im Sog der Corona-Pandemie sind arbeitende Kinder in Entwicklungsländern noch stärker von Ausbeutung bedroht. Ein europäisches Lieferkettengesetz, wie es Deutschland während seiner EU-Ratspräsidentschaft schaffen will, hat dagegen die Chance, sich diesem Problem endlich nachhaltig anzunehmen”, hofft Norbert Neuser, Entwicklungsexperte der SD-Fraktion in Brüssel.

Norbert Neuser warnt: “Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO muss fast jedes zehnte Kind  zum Familieneinkommen beitragen. Für Schulausbildung und Spielen bleibt keine Zeit.

Mit dem Corona-Ausbruch werden noch mehr Kinder weltweit gezwungen sein zu arbeiten, weil der vernetzte Handel in Turbulenzen verfällt und Löhne wegbrechen. Wir müssen befürchten, dass bereits erreichte Standards zum Schutz von Kindern angesichts der drohenden Armutswelle zunichte gemacht werden.”

Für Norbert Neuser kann das EU-Vorhaben der deutschen Bundesregierung dann einen entscheidenden Unterschied machen, wenn unternehmerische Sorgfaltspflichten gesetzlich geregelt werden und nicht mehr, wie es derzeit in Deutschland der Fall, freiwillig sind. Neuser mahnt: “Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass die freiwillige Verpflichtung so erfolgt ist, dass sie für viele Kinder einen Unterschied macht. Zwar kann man Unternehmen nicht für jede einzelne Menschenrechtsverletzung zur Verantwortung ziehen. Aber dass Lieferketten nicht vollständig bekannt sind, kann im Zeitalter der Digitalisierung nicht gelten!”

“Es ist durchaus möglich, die Praktiken und Gepflogenheiten in den verschiedenen Stationen der Lieferkette zu dokumentieren, Risiken zu erkennen und soziale und ökologische Standards der Geschäftspartner und Zulieferer einzufordern”, zeigt Norbert Neuser einen Weg auf, der Veränderungen auch im Hinblick auf Kinderarbeit möglich machen würde.

“Die Corona-Krise zwingt uns, die eingefahrenen Praktiken unserer globalisierten Welt zu überdenken und auf Nachhaltigkeit zu überprüfen, wie etwa die Förderung der Wirtschaft im Rahmen des Green Deals oder eine größere Unabhängigkeit von weltweiten Krisen. Soziale Standards und soziale Gerechtigkeit dürfen bei dieser Erneuerung auf keinen Fall fehlen”, erklärt Norbert Neuser, warum der Zeitpunkt für diese Veränderung jetzt gekommen ist.