Brüssel/Boppard. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen erhält am Donnerstag, 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, den Friedensnobelpreis in Oslo verliehen.

Norbert Neuser, ständiger Berichterstatter des Europäischen Parlaments für humanitäre Hilfe und sozialdemokratischer Vize-Vorsitzender im Entwicklungsausschuss: „Mit dem Welternährungsprogramm hätte kaum ein würdigerer Preisträger gefunden werden können. Auch den Zeitpunkt hätte das Komitee nicht besser wählen können. Gerade jetzt benötigt das Welternährungsprogramm die Aufmerksamkeit der EU-Mitgliedsstaaten gegen aktuell grassierende Hungersnöte. Ein trauriger Tiefpunkt: Noch nie in seiner 60-jährigen Geschichte musste das Welternährungsprogramm so vielen Menschen in Not helfen. Waren es im vergangenen Jahr noch 97 Millionen Menschen, die das UN-Programm in einer akuten Hungerkrise unterstützen musste, werden es in diesem Jahr 138 Millionen sein. Europa muss diese Arbeit der Vereinten Nationen unterstützen.

Von den 20 am schlimmsten betroffenen Ländern trifft es vier besonders hart: Jemen, Süd-Sudan, den Nordosten Nigerias und Burkina Faso. Dass dort Millionen Menschen Hunger leiden und zum Teil akut vom Hungerstod bedroht sind, hat Gründe, die sich gegenseitig verstärken: der Klimawandel, der Heuschreckenplagen befördert, gewaltsame Konflikte, durch die Vertreibung und Flucht ausgelöst werden und schließlich die Corona-Pandemie. Die Pandemie erfordert Maßnahmen denen Menschen, die keine Ressourcen haben, hilflos gegenüberstehen, weil sie buchstäblich ihr tägliches Brot nicht mehr verdienen können.

Die EU ist nach den USA und Deutschland der drittgrößte Geldgeber für das Welternährungsprogramm. Bis Anfang Dezember waren es etwa 590 Millionen Euro, die in diesem Jahr an die Projekte des UN-Programm gingen. Angesichts dramatischer Krisen ist es besonders wichtig, dass die EU-Mitgliedstaaten den Haushalt für Humanitäre Hilfe weiter ausstatten. In Nachverhandlungen konnten sich die SozialdemokratInnen im Europaparlament mit einer Milliarde mehr für die kommenden sieben Jahre durchsetzen. Aber noch immer fehlen rund vier Milliarden Euro, um Krisen wie dem Hunger angemessen begegnen zu können.“