Brüssel/Boppard. In der weltweiten Bedrohung durch Corona geraten die Probleme auf dem afrikanischen Kontinent und in weiteren Entwicklungsländern immer mehr in den Hintergrund. Es drohen Hungersnöte, und in bestimmten Regionen wird dies zu weiteren Spannungen, Unruhen und könnte möglicherweise bis zum Staatsverfall führen. Darauf hat jetzt der SPD-Europaabgeordnete Norbert Neuser, Berichterstatter des Europäischen Parlamentes für humanitäre Hilfe hingewiesen. Die in Brüssel eintreffenden Berichte der Weltgesundheitsorganisation (WHO,) vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und des UN World Food Programme (WFP) sind dramatisch.

Der aktuelle Globale Bericht über Nahrungsmittelkrisen zeigt auf, dass derzeit über 800 Millionen Menschen weltweit chronischen Hunger leiden. Weitere 135 Millionen Menschen haben so wenig Nahrung, dass sie an der Schwelle des Verhungerns stehen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat zudem ermittelt, dass als Folge der Coronakrise, beispielsweise, weil Lieferketten zusammenbrechen oder Menschen nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen können, weitere 130 Millionen Menschen bis Ende 2020 an die Grenze des Verhungerns kommen könnten. Das sind über eine Milliarde Menschen, die Hunger leiden, von denen 265 Millionen verhungern könnten.

Norbert Neuser, Berichterstatter im Europäischen Parlament für humanitäre Hilfe: „Gerade in diesem Jahr ist Hunger durch die Dürre- und Flutereignisse ein besonderes Problem und darüber hinaus bedroht die sich immer weiter verbreitende Heuschreckenplage in Ostafrika die Situation. Die Coronakrise kommt verschärfend hinzu. Wir müssen diesen Problemen dringend mehr Aufmerksamkeit schenken und sollten dem Kampf gegen Hunger und gegen das Verhungern viel mehr Bedeutung einräumen. Die Situation ist so dramatisch, dass in den afrikanischen Ländern die Menschen derzeit mehr Angst vor dem Verhungern als vor Covid-19 haben.“