Das haben wir als Wahlbeobachter auch noch nicht erlebt : wenige Stunden vor der Öffnung der Wahllokale hat die INEC (Unabhängige Wahlkommission Nigerias) die Wahlen um eine Woche verschoben. Am Tag vor der Wahl hatte uns der Vorsitzende der Wahlkommission um 17 Uhr noch auf unsere Fragen erklärt, dass es keinerlei Probleme mit der ordnungsgemäßen Durchführung der Wahlen gibt : wenige Stunde später mitten in der Nacht die Wahlverschiebung.

Eine riesige Blamage für das mit 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Afrikas. Gravierend für die sich langsam entwickelnde Demokratie Nigerias, denn die Wählerinnen und Wähler, die sich alle umständlich hatten registrieren müssen, waren zum Teil in ihre Heimatdörfer gereist, und viel Unannehmlichkeiten auf sich genommen, nur um wählen zu können.

Meine Kritik an der Wahlkommission : die angeblich logistischen Probleme hätte man deutlich früher erkennen müssen, um die Wahlen dann rechtzeitig ohne Nachteile für die Wählerinnen und Wähler zu verschieben.

Mit sehr bedeutsamen Gesprächspartnern wie Vizepräsident Yemi Osinbajo, mit Sultan Sa` adu Abubakar als religiösem Oberhaupt der Muslime in Nigeria oder auch Kardinal John Onaiyekan, Vorsitzender der Bischofskonferenz Nigerias, diskutierten wir die schwierige politische Situation Nigerias vor dem Hintergrund des enormen

Bevölkerungswachstums (bald wird Nigeria die drittgrößte Bevölkerung der Erde haben) und einer Ungleichheit zwischen Arm und Reich wie sonst fast nirgendwo in Afrika.

Boko Haram im Nord-Osten Nigerias und die weitere Ausbreitung der Wüste durch den Klimawandel sind kaum zu lösende Probleme.


In der Bildmitte Vizepräsident Yumi Osinbajo, daneben die beiden SPD Europaabgeordneten Norbert Neuser und Jo Leinen